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Die Präsidentschaft Wolfgang Overath –
Eine Bilanz
Sportliche Bilanz
Wolfgang Overath trat im Jahr 2004 seine Regentschaft an mit dem Ziel, dem 1.FC Köln sportlich neue Visionen zu geben, aus der Verwaltung des Mittelmaßes heraus zu führen und den Verein innerhalb von vier Jahren so konkurrenzfähig aufzustellen, dass wieder um die Europapokalplätze gespielt werden könnte.
Die Realität hat Wolfgang Overath schnell eingeholt. Er übernahm den 1.FC Köln als gerade frisch abgestiegenen Zweitligisten, der finanziell durch seinen Vorgänger Albert Caspers konsolidiert worden war. Als erste Amtshandlung wurde Trainer Marcel Koller entlassen und Huub Stevens als Trainer verpflichtet.
Am Ende der Saison stand der souveräne direkte Wiederaufstieg. Trainer Huub Stevens verließ aber den Verein.
Im Sommer 2005 übernahm Cheftrainer Uwe Rapolder den 1.FC Köln. Aus dieser Zeit ist die Aussage von Geschäftsführer Claus Horstmann in bester Erinnerung, der erklärte, dass bisher noch nie ein Verein mit dem aktuellen Etat des 1.FC Köln den Klassenerhalt verfehlt habe. Der FC verpflichtete damals Spieler für insgesamt 4,75 Mio. EUR, die Transfererlöse betrugen 400.000 EUR. Die Verpflichtung Rapolders erwies sich als kapitaler Fehlgriff, der Trainer überwarf sich mit der Mannschaft. Am 20.12.2005 wurde Rapolder entlassen; Manager Andreas Rettig war vorher, unmittelbar nach dem Spiel in Bielefeld, zurückgetreten. Der FC ging ohne Trainer und Manager in die Winterpause, in der dann Manager Michael Meier und der Schweizer Hanspeter Latour verpflichtet wurden. Dieser holte mit Marco Streller und Ricardo Cabanas zwei namhafte Landsmänner nach Köln. Dennoch konnte der erneute Abstieg im Sommer 2006 nicht verhindert werden, der FC schloss die Saison als Vorletzter ab. Lukas Podolski wurde anschließend nach München verkauft.
Trotz desaströser sportlicher Bilanz vertraute man Hanspeter Latour die Aufgabe sofortiger Wiederaufstieg an. Der FC verpflichtete im Laufe der Saison Spieler für 4,82 Mio. EUR, u.a. Milivoje Novakovic, nahm allerdings u.a. durch den Podolski-Verkauf 10,45 Mio. EUR ein. Latour wurde dann im November 2006 doch noch entlassen und Christoph Daum wurde verpflichtet. Dieser durfte den Kader in der Winterpause mit Spielern wie Luciano, Johnsen, Andre, Tiago und Serhat Akin verstärken. Allerdings floppten alle Transfers und man war im Aufstiegsrennen chancenlos. Zwischenzeitlich drohte man sogar in den Abstiegskampf der zweiten Liga abzurutschen. Am Ende stand ein blamabler 9.Platz in der zweiten Liga.
Vor der Saison 2007/2008 wurde erneut groß in die Mannschaft investiert, um den Aufstieg 2008 zu erzwingen. Man behielt Patrick Helmes, mit dem eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2008 hinaus gescheitert war, verzichtete auf eine Ablöse von 5 Mio. EUR für ihn und holte zudem Spieler wie Mondragon, Ümit Özat, Mohamad, Antar, McKenna, Vucicevic und Suazo. Dennoch erzielte man einen Transferüberschuss von 475.000,00 EUR. Der FC ging jedoch ein hohes Risiko ein, denn er lockte Spieler wie Mondragon, Ümit und McKenna mit Spitzengehältern nach Köln. Der Aufstieg gelang dann nach einer Zittersaison mit dem Heimsieg am vorletzten Spieltag gegen Mainz 05.
Nach dem Aufstieg wurde die Aufstiegsmannschaft, die nominell schon fast erstligatauglich war, durch Geromel, Petit, Brecko, Sanou, Ishiaku, Radu und Boateng, der erst im Winter dazu kam, verstärkt. Diese Transfers ließ man sich 5,15 Mio. EUR kosten, nahm hingegen nur 750.000 EUR für Spielerverkäufe ein. Daum schaffte mit diesem Kader und einer defensiven Taktik den Klassenerhalt souverän als Tabellenzwölfter. Man geriet nie in akute Abstiegsgefahr und verlebte eine sportlich ruhige, aber auch nicht zukunftsweisende Saison.
Nach dieser Saison verließ Christoph Daum den 1.FC Köln am 31.05.2009, dem Tag des Endes der Ausstiegsfrist aus seinem Vertrag, um ein Angebot von Fenerbahce Istanbul anzunehmen. Als Nachfolger wurde wenige Wochen später Zvonimir Soldo verpflichtet. Schon Monate vorher wurde die Rückkehr von Lukas Podolski perfekt gemacht, er wechselte für geschätzte 10 Mio. EUR Gesamtablöse zurück nach Köln. Mit ihm wechselten Freis, Maniche und Schorch in die Domstadt, im Winter wurde noch Zoran Tosic von Manchester United ausgeliehen. Die Mannschaft wurde leider nicht richtig verstärkt; wichtige sportliche Baustellen, wie die Position des rechten und linken Verteidigers sowie die linke und rechte Außenbahn, die schon ein Jahr vorher aus finanziellen Gründen offen gelassen werden mussten, wurden wieder nicht bearbeitet. Folgerichtig erlebten wir eine Wiederholung der Vorsaison, allerdings mit deutlich weniger Souveränität, obwohl der FC mit Lukas Podolski nominell klar stärker geworden war.
Vor der jetzt zu Ende gehenden Saison wurde die Mannschaft dann mit Ionita, Andrezinho, Lanig, Giannoulis und einigen jungen Spielern versucht zu verstärken, was leider völlig misslang. Wieder wurden die bekannten sportlichen Defizite nicht behoben, statt dessen lediglich Maniche durch Lanig ersetzt. Alle anderen Neuverpflichtungen blieben Mitläufer. Der Saisonstart wurde völlig verpatzt, so dass Trainer Soldo nach 12 Spielen entlassen wurde. Auch Manager Michael Meier geriet mehr und mehr in die Kritik und wurde ebenfalls kurz nach der desaströsen Mitgliederversammlung im November 2010 entlassen, nicht ohne dass der Vorstand zuvor ohne jeden Not – und ohne Kenntnis des Verwaltungsrates - seinen Vertrag auch noch verlängert hatte. Der FC stand auf einem Abstiegsplatz, ohne Sportmanager, ohne wirkliches Team. Es sah nach Abstieg aus.
Soldos Nachfolger Frank Schaefer schaffte es aber, aus den vorhandenen Spielern unter Einbindung vielversprechender junger Spieler eine Mannschaft zu formen, die zumindest zuhause als solche auftrat und dabei teilweise begeisternden Offensivfussball zeigte. Podolski und Novakovic harmonierten erstmals auf dem Platz und so konnten manche Defizite im Kader, die nach wie vor da waren, ausgeglichen werden. Im Winter konnte man dann mit Rensing, Eichner und Peszko glücklicherweise Spieler verpflichten, die dieser Mannschaft wirklich weiterhalfen, nachdem auch Torwart Mondragon nach der Hinrunde seine Zelte in Köln abbrach. Insgesamt investierte der 1.FC Köln in dieser Saison 3,6 Mio. EUR für Ablösesummen, und nahm nur 50.000 EUR für Spielertransfers ein. Teure Fehleinkäufe wie Ishiaku müssen nach wie vor durchgefüttert werden.
Der Klassenerhalt wurde am 33. Spieltag perfekt gemacht, nachdem man am 28. Spieltag bereits 35 Punkte erreicht hatte und - gefühlt - gerettet war. Danach folgten jedoch drei teilweise hohe Niederlagen in Serie, die dazu führten, dass Trainer Frank Schaefer, der bereits vor der Negativserie seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, sofort zurücktrat und Volker Finke, der im Winter 2010 als Sportdirektor verpflichtet wurde, für die letzten drei Spieler auf die Trainerbank rückte.
Wirtschaftliche Bilanz und Bilanz des Vorstandes als Vereinsführung
Während dieser Saison wurde bekannt, dass den 1.FC Köln Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 30 Mio. EUR drücken, und das, obwohl das Transfer-Minus seit 2004 „nur“ rund 17,5 Mio. EUR betrug, das zu einem gewissen Teil auch noch durch externe Geldgeber finanziert wurde. Die Verpflichtung Christoph Daums und seines Trainerstabes sowie einiger Altstars wie Petit und Maniche, die sicher nicht wegen der sportlichen Perspektive nach Köln gekommen sind, haben viel Geld gekostet, ohne eine Refinanzierungsmöglichkeit zu beinhalten.
Wolfgang Overath hat den 1.FC Köln sportlich mit immensem Geldeinsatz nun drei Mal in Serie in der ersten Liga gehalten, allerdings hat der Verein keinerlei Transferwerte geschaffen und die Mannschaft ist sportlich immer noch nicht in der Liga etabliert. Lediglich die Spieler Geromel und Podolski haben einen nennenswerten Transfermarktwert. Die Transferrechte befinden sich jedoch bei beiden Spielern nicht mehr zu 100% beim 1.FC Köln, sondern bei privaten Investoren. Ebenso verhält es sich bei den Transferrechten von Slawomir Peszko, dessen Ablöse ebenfalls durch einen Investor finanziert wurde, der nunmehr auch das Geld für die Vertragsverlängerung mit dem polnischen Nationalspieler bereit stellt.
Der 1.FC Köln, der noch vor einigen Jahren die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen erteilt bekommen hat und selbst als Abstiegskandidat und Zweitligist einen der höchsten Bonitätsgrade im deutschen Fußball hatte, gehört längst nicht mehr zu den finanziell gesunden Vereinen der Bundesliga. Man scheint auf dem Transfermarkt nahezu handlungsunfähig zu sein und muss sich laut Vereinsführung in der nächsten Saison konsolidieren. Das hatte man schon vor dieser Saison angekündigt, als man sich der Förderung junger Talente aus dem eigenen Nachwuchs verschrieb, was mit dem Einbau von Matuschyk und Clemens in die Mannschaft auch glücklicherweise erfolgreich funktionierte. Eine Verstärkung der Mannschaft scheint ausgeschlossen, jahrelanger Abstiegskampf unausweichlich. Dass Spieler wie Geromel und Podolski so nicht dauerhaft zu halten sind, dürfte klar sein. Die Perspektive des 1.FC Köln ist damit auch sportlich ausgesprochen schlecht.
Hier Auszüge aus der Presse zu diesem Thema:
Das Finanzdesaster wird immer deutlicher
Das Ende der Taschenspieler
Das Blatt ist ausgereizt. Um den FC wieder in der Bundesliga zu etablieren, haben die Kölner Finanzakrobaten zu allen Mitteln gegriffen:
Buchhalterische Taschenspieler-Tricks, Preiserhöhungen, Verkauf von Beteiligungen, Verfrühstücken zukünftiger Einnahmen und jede Menge Schulden. 24,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten lasten allein auf der 1. FC Köln KgAa – 17 Millionen mehr als beim Amtsantritt von Manager Michael Meier vor fünf Jahren.
Das Gefährliche daran: Außer Podolski und Geromel hat das nicht viel mehr Substanz und Transferwert gebracht. Und der Abstieg mit all seinen Konsequenzen – wie dem Verkauf der Leistungsträger zur Lizenzsicherung – droht trotz der ganzen Schulden weiterhin. Korrekturen am Kader oder Trainerteam könnten weitere finanzielle Löcher reißen.
Daher müssen jetzt neue Wege eingeschlagen werden. Zukünftige Investitionen in die Mannschaft müssen sich durch Mehreinnahmen bei den Sponsoren, im DFB-Pokal und bei Transfereinnahmen selber decken – bei den Schulden ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Nicht enthalten in den Verbindlichkeiten sind jene rund 7,5 Millionen Euro, mit denen sich der 1. FC Köln im Geschäftsjahr 2008 / 2009 einen Sonderertrag von 7,5 Millionen Euro verhalf. Damals gründete man eine Tochtergesellschaft, die „1. FC Köln Gaststätten GmbH“. Diese Tochter nahm ein Darlehen auf und kaufte ihrer Mutter für 7,5 Millionen Euro etwa das Recht ab, im Stadion Bier und Würstchen zu verkaufen. Dieses Darlehen zahlt die GmbH nun mit etwa 600 000 Euro pro Jahr bei der Bank ab - und hat im ersten Jahr ihres Bestehens dennoch einen Gewinn erwirtschaftet. Ein reiner Bilanztrick war das also nicht. Allerdings hat der 1. FC Köln damit durchaus zukünftige Einnahmen ausgegeben. Denn das Geld, das die Tochter nun zur Tilgung des Darlehens ausgibt, steht dem Verein zwölf Jahre lang nicht zur Verfügung.
Auch im Geschäftsjahr 2009 / 2010 haben die Kölner ihre Erträge gesteigert. Für insgesamt etwa drei Millionen Euro verkauften sie Transferrechte an ihren Top-Spielern Lukas Podolski und Pedro Geromel. Im Falle eines Verkaufs eines der beiden Spieler würde der FC also Teile der Transfersummen an Investoren abgeben. Allerdings legt Horstmann Wert darauf, dass der „bei weitem überwiegende Teil der Transferrechte“ beim 1. FC Köln liege. Rund 2,5 Millionen Euro nahm man zudem durch einen Handel mit der Vermarktungsfirma IMG ein - offenbar durch eine Vertragsverlängerung.
Diesen und einige andere Vorwürfe werden sich die Verantwortlichen bei der Jahreshauptversammlung anhören müssen, denn die jüngste Bilanz ist in fast jeder Hinsicht desaströs. Köln ist jetzt Tabellenletzter, die Transferrechte der wertvollsten Spieler wurden teilweise verramscht, und in dieser Woche hat der Club besorgniserregende Geschäftszahlen präsentiert.
Der Schuldenstand ist in der Ära Meier von rund acht auf 24,1 Millionen Euro angewachsen, außerdem hat der Manager weitere sieben Millionen ausgegeben, die der Club generierte, als er die Rechte am Gastronomiegeschäft im Stadion verkaufte. Mitgetragen wurde diese Politik von allen, allerdings haben Präsidium, Vorstand und Verwaltungsrat sich eine andere Entwicklung erhofft.
Auf dem Weg ins Mittelmaß kläglich gescheitert
Mittlerweile befürworten Teile des Verwaltungsrates die Absetzung des Managers, der für die langfristige sportliche Entwicklung der Mannschaft verantwortlich ist. Denn das Geld ist weg, und der Erfolg mager: Zwei mal hintereinander schaffte Köln den Klassenerhalt. Der Versuch, zeitnah in die obere Tabellenhälfte vorzudringen, ist hingegen kläglich gescheitert. Das liegt auch am Präsidium.
Angeblich mischt der Ehrenamtler Overath sich ins Transfergeschäft ein, weil er weiß, dass Meiers Stärken auf anderen Gebieten liegen. Einen wirklich kompetenten Sportdirektor wollte der Präsident bislang trotzdem nicht einstellen. Weil er keinen starken Mann an seiner Seite dulde, sagen manche. Weil niemand in diesem schlecht geführten Club arbeiten wolle, meinen andere.
Die Verantwortung des Präsidenten
Seit 2004 steht Wolfgang Overath dem 1. FC Köln als Präsident vor. Seine Bilanz liest sich so: Zwei Abstiege, sieben Trainer, 60 Spielertransfers und 20 Millionen Schulden. Die Ära Overath ist gescheitert.
Wenn es eng wird beim 1. FC Köln, dann verweist der Präsident gerne auf das große Ganze: der Klub habe inzwischen mehr als 50 000 Mitglieder; die Heimspiele seien zumeist ausverkauft; das Ansehen des Klubs in Stadt und Land sei gewaltig und das alles sei - so sagt er es nicht, aber er meint es - sein Verdienst.
Und wenn es eng wird beim 1. FC Köln, dann verweist der Präsident gerne auf die Verantwortungskette in seinem Klub: Da gebe es Leute für die Finanzen und da gebe es Leute für das operative sportliche Geschäft. Wenn es Probleme gebe, dann sei das also - so sagt er das nicht, aber er meint es - nicht seine Schuld.
Mit dieser feinen Dialektik ist Wolfgang Overath bislang stets durchgekommen, obwohl niemand außerhalb des Klubs an diese undurchlässige Grenze zwischen Gelingen und Scheitern im Verein glauben mochte. All das klang ja auch ganz anders, nachdem der Weltmeister von 1974 seinen Vorgänger Albert Caspers im Jahr 2004 aus dem Amt gedrängt hatte. „Es wird kein Spieler mehr gekauft oder verkauft, ohne dass ich mit am Tisch sitze. Das ist ein entscheidender Faktor“, hatte Overath im März 2004, noch vor seiner offiziellen Inthronisierung, erklärt. Und noch im Mai 2006 stellte er klar: „Ich bin der Präsident dieses Klubs. Ich bin grundsätzlich für alles zuständig.“
Somit ist der Präsident grundsätzlich zuständig für dies: Nach zwei Abstiegen, sieben Trainern, rund 60 Spielertransfers und über 20 Millionen Euro Schulden in der Ära Overath verliert der 1. FC Köln das große Derby gegen Gladbach mit 0:4, fällt in der Tabelle auf Platz 18 und tausende Zuschauer verlassen vorzeitig und schweigend das Stadion.
Mit diesem Zeugnis begibt sich das Präsidium am Mittwoch vor die FC-Mitgliederversammlung. Neuwahlen sind nicht vorgesehen. Ein Rücktritt aber ist laut Paragraf 20, Absatz 3 der Satzung ohne weiteres möglich: „Scheiden alle Mitglieder des Vorstands aus, so wird der Verein bis zur Neuwahl des Vorstands (...) durch den Vorsitzenden des Verwaltungsrats vertreten“, heißt es dort. Das wäre eine Option. Gibt es eine andere?
Dass Overath sein Versprechen, keine Schulden zu machen, nicht gehalten hat, ist ihm nicht unbedingt vorzuwerfen. Ein gewisses Risiko musste der FC gehen. Doch dass er Meier so walten ließ und jetzt erkennen muss, dass weder ein Team noch größere Spielerwerte geschaffen wurden, liegt in seiner Verantwortung. Dass er weiter zaudert ebenso. Selbst Sponsoren wie ETL-Chef Franz-Josef Wernze oder Ex-Profi Dieter Prestin bezweifeln mittlerweile öffentlich, dass Meier der Richtige ist, um mit begrenzten Mitteln eher unbekannte, aber gute Spieler zu finden. Overath, der immer wieder ins Tagesgeschäft eingreift, dafür aber keine Verantwortung tragen will, erwarten unangenehme Fragen.
Viele Möglichkeiten, die Stimmung zu drehen, bleiben ihm nicht. Über Meier denkt er nach. Nach kicker-Informationen wurde dem Manager der Rücktritt inklusive Abfindung angeboten. Doch Meier lehnte ab. Stellt Overath diesem nun einen Sportdirektor zur Seite? Keine andere Maßnahme würden wirken. Ohne diese droht dem Idol am Mittwoch viel Gegenwind bis hin zu einer von einigen Mitgliedern angestrebten Nicht-Entlastung des Vorstandes. Und wie Overath auf solch einen Denkzettel reagieren würde, weiß nur er selbst.
Wolfgang Overath trat im Jahr 2004 seine Regentschaft an mit dem Ziel, dem 1.FC Köln sportlich neue Visionen zu geben, aus der Verwaltung des Mittelmaßes heraus zu führen und den Verein innerhalb von vier Jahren so konkurrenzfähig aufzustellen, dass wieder um die Europapokalplätze gespielt werden könnte.
Die Realität hat Wolfgang Overath schnell eingeholt. Er übernahm den 1.FC Köln als gerade frisch abgestiegenen Zweitligisten, der finanziell durch seinen Vorgänger Albert Caspers konsolidiert worden war. Als erste Amtshandlung wurde Trainer Marcel Koller entlassen und Huub Stevens als Trainer verpflichtet.
Am Ende der Saison stand der souveräne direkte Wiederaufstieg. Trainer Huub Stevens verließ aber den Verein.
Im Sommer 2005 übernahm Cheftrainer Uwe Rapolder den 1.FC Köln. Aus dieser Zeit ist die Aussage von Geschäftsführer Claus Horstmann in bester Erinnerung, der erklärte, dass bisher noch nie ein Verein mit dem aktuellen Etat des 1.FC Köln den Klassenerhalt verfehlt habe. Der FC verpflichtete damals Spieler für insgesamt 4,75 Mio. EUR, die Transfererlöse betrugen 400.000 EUR. Die Verpflichtung Rapolders erwies sich als kapitaler Fehlgriff, der Trainer überwarf sich mit der Mannschaft. Am 20.12.2005 wurde Rapolder entlassen; Manager Andreas Rettig war vorher, unmittelbar nach dem Spiel in Bielefeld, zurückgetreten. Der FC ging ohne Trainer und Manager in die Winterpause, in der dann Manager Michael Meier und der Schweizer Hanspeter Latour verpflichtet wurden. Dieser holte mit Marco Streller und Ricardo Cabanas zwei namhafte Landsmänner nach Köln. Dennoch konnte der erneute Abstieg im Sommer 2006 nicht verhindert werden, der FC schloss die Saison als Vorletzter ab. Lukas Podolski wurde anschließend nach München verkauft.
Trotz desaströser sportlicher Bilanz vertraute man Hanspeter Latour die Aufgabe sofortiger Wiederaufstieg an. Der FC verpflichtete im Laufe der Saison Spieler für 4,82 Mio. EUR, u.a. Milivoje Novakovic, nahm allerdings u.a. durch den Podolski-Verkauf 10,45 Mio. EUR ein. Latour wurde dann im November 2006 doch noch entlassen und Christoph Daum wurde verpflichtet. Dieser durfte den Kader in der Winterpause mit Spielern wie Luciano, Johnsen, Andre, Tiago und Serhat Akin verstärken. Allerdings floppten alle Transfers und man war im Aufstiegsrennen chancenlos. Zwischenzeitlich drohte man sogar in den Abstiegskampf der zweiten Liga abzurutschen. Am Ende stand ein blamabler 9.Platz in der zweiten Liga.
Vor der Saison 2007/2008 wurde erneut groß in die Mannschaft investiert, um den Aufstieg 2008 zu erzwingen. Man behielt Patrick Helmes, mit dem eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2008 hinaus gescheitert war, verzichtete auf eine Ablöse von 5 Mio. EUR für ihn und holte zudem Spieler wie Mondragon, Ümit Özat, Mohamad, Antar, McKenna, Vucicevic und Suazo. Dennoch erzielte man einen Transferüberschuss von 475.000,00 EUR. Der FC ging jedoch ein hohes Risiko ein, denn er lockte Spieler wie Mondragon, Ümit und McKenna mit Spitzengehältern nach Köln. Der Aufstieg gelang dann nach einer Zittersaison mit dem Heimsieg am vorletzten Spieltag gegen Mainz 05.
Nach dem Aufstieg wurde die Aufstiegsmannschaft, die nominell schon fast erstligatauglich war, durch Geromel, Petit, Brecko, Sanou, Ishiaku, Radu und Boateng, der erst im Winter dazu kam, verstärkt. Diese Transfers ließ man sich 5,15 Mio. EUR kosten, nahm hingegen nur 750.000 EUR für Spielerverkäufe ein. Daum schaffte mit diesem Kader und einer defensiven Taktik den Klassenerhalt souverän als Tabellenzwölfter. Man geriet nie in akute Abstiegsgefahr und verlebte eine sportlich ruhige, aber auch nicht zukunftsweisende Saison.
Nach dieser Saison verließ Christoph Daum den 1.FC Köln am 31.05.2009, dem Tag des Endes der Ausstiegsfrist aus seinem Vertrag, um ein Angebot von Fenerbahce Istanbul anzunehmen. Als Nachfolger wurde wenige Wochen später Zvonimir Soldo verpflichtet. Schon Monate vorher wurde die Rückkehr von Lukas Podolski perfekt gemacht, er wechselte für geschätzte 10 Mio. EUR Gesamtablöse zurück nach Köln. Mit ihm wechselten Freis, Maniche und Schorch in die Domstadt, im Winter wurde noch Zoran Tosic von Manchester United ausgeliehen. Die Mannschaft wurde leider nicht richtig verstärkt; wichtige sportliche Baustellen, wie die Position des rechten und linken Verteidigers sowie die linke und rechte Außenbahn, die schon ein Jahr vorher aus finanziellen Gründen offen gelassen werden mussten, wurden wieder nicht bearbeitet. Folgerichtig erlebten wir eine Wiederholung der Vorsaison, allerdings mit deutlich weniger Souveränität, obwohl der FC mit Lukas Podolski nominell klar stärker geworden war.
Vor der jetzt zu Ende gehenden Saison wurde die Mannschaft dann mit Ionita, Andrezinho, Lanig, Giannoulis und einigen jungen Spielern versucht zu verstärken, was leider völlig misslang. Wieder wurden die bekannten sportlichen Defizite nicht behoben, statt dessen lediglich Maniche durch Lanig ersetzt. Alle anderen Neuverpflichtungen blieben Mitläufer. Der Saisonstart wurde völlig verpatzt, so dass Trainer Soldo nach 12 Spielen entlassen wurde. Auch Manager Michael Meier geriet mehr und mehr in die Kritik und wurde ebenfalls kurz nach der desaströsen Mitgliederversammlung im November 2010 entlassen, nicht ohne dass der Vorstand zuvor ohne jeden Not – und ohne Kenntnis des Verwaltungsrates - seinen Vertrag auch noch verlängert hatte. Der FC stand auf einem Abstiegsplatz, ohne Sportmanager, ohne wirkliches Team. Es sah nach Abstieg aus.
Soldos Nachfolger Frank Schaefer schaffte es aber, aus den vorhandenen Spielern unter Einbindung vielversprechender junger Spieler eine Mannschaft zu formen, die zumindest zuhause als solche auftrat und dabei teilweise begeisternden Offensivfussball zeigte. Podolski und Novakovic harmonierten erstmals auf dem Platz und so konnten manche Defizite im Kader, die nach wie vor da waren, ausgeglichen werden. Im Winter konnte man dann mit Rensing, Eichner und Peszko glücklicherweise Spieler verpflichten, die dieser Mannschaft wirklich weiterhalfen, nachdem auch Torwart Mondragon nach der Hinrunde seine Zelte in Köln abbrach. Insgesamt investierte der 1.FC Köln in dieser Saison 3,6 Mio. EUR für Ablösesummen, und nahm nur 50.000 EUR für Spielertransfers ein. Teure Fehleinkäufe wie Ishiaku müssen nach wie vor durchgefüttert werden.
Der Klassenerhalt wurde am 33. Spieltag perfekt gemacht, nachdem man am 28. Spieltag bereits 35 Punkte erreicht hatte und - gefühlt - gerettet war. Danach folgten jedoch drei teilweise hohe Niederlagen in Serie, die dazu führten, dass Trainer Frank Schaefer, der bereits vor der Negativserie seinen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, sofort zurücktrat und Volker Finke, der im Winter 2010 als Sportdirektor verpflichtet wurde, für die letzten drei Spieler auf die Trainerbank rückte.
Wirtschaftliche Bilanz und Bilanz des Vorstandes als Vereinsführung
Während dieser Saison wurde bekannt, dass den 1.FC Köln Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 30 Mio. EUR drücken, und das, obwohl das Transfer-Minus seit 2004 „nur“ rund 17,5 Mio. EUR betrug, das zu einem gewissen Teil auch noch durch externe Geldgeber finanziert wurde. Die Verpflichtung Christoph Daums und seines Trainerstabes sowie einiger Altstars wie Petit und Maniche, die sicher nicht wegen der sportlichen Perspektive nach Köln gekommen sind, haben viel Geld gekostet, ohne eine Refinanzierungsmöglichkeit zu beinhalten.
Wolfgang Overath hat den 1.FC Köln sportlich mit immensem Geldeinsatz nun drei Mal in Serie in der ersten Liga gehalten, allerdings hat der Verein keinerlei Transferwerte geschaffen und die Mannschaft ist sportlich immer noch nicht in der Liga etabliert. Lediglich die Spieler Geromel und Podolski haben einen nennenswerten Transfermarktwert. Die Transferrechte befinden sich jedoch bei beiden Spielern nicht mehr zu 100% beim 1.FC Köln, sondern bei privaten Investoren. Ebenso verhält es sich bei den Transferrechten von Slawomir Peszko, dessen Ablöse ebenfalls durch einen Investor finanziert wurde, der nunmehr auch das Geld für die Vertragsverlängerung mit dem polnischen Nationalspieler bereit stellt.
Der 1.FC Köln, der noch vor einigen Jahren die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen erteilt bekommen hat und selbst als Abstiegskandidat und Zweitligist einen der höchsten Bonitätsgrade im deutschen Fußball hatte, gehört längst nicht mehr zu den finanziell gesunden Vereinen der Bundesliga. Man scheint auf dem Transfermarkt nahezu handlungsunfähig zu sein und muss sich laut Vereinsführung in der nächsten Saison konsolidieren. Das hatte man schon vor dieser Saison angekündigt, als man sich der Förderung junger Talente aus dem eigenen Nachwuchs verschrieb, was mit dem Einbau von Matuschyk und Clemens in die Mannschaft auch glücklicherweise erfolgreich funktionierte. Eine Verstärkung der Mannschaft scheint ausgeschlossen, jahrelanger Abstiegskampf unausweichlich. Dass Spieler wie Geromel und Podolski so nicht dauerhaft zu halten sind, dürfte klar sein. Die Perspektive des 1.FC Köln ist damit auch sportlich ausgesprochen schlecht.
Hier Auszüge aus der Presse zu diesem Thema:
- Am 12. November 2010 schreibt der Kölner Express:
Das Finanzdesaster wird immer deutlicher
Das Ende der Taschenspieler
Das Blatt ist ausgereizt. Um den FC wieder in der Bundesliga zu etablieren, haben die Kölner Finanzakrobaten zu allen Mitteln gegriffen:
Buchhalterische Taschenspieler-Tricks, Preiserhöhungen, Verkauf von Beteiligungen, Verfrühstücken zukünftiger Einnahmen und jede Menge Schulden. 24,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten lasten allein auf der 1. FC Köln KgAa – 17 Millionen mehr als beim Amtsantritt von Manager Michael Meier vor fünf Jahren.
Das Gefährliche daran: Außer Podolski und Geromel hat das nicht viel mehr Substanz und Transferwert gebracht. Und der Abstieg mit all seinen Konsequenzen – wie dem Verkauf der Leistungsträger zur Lizenzsicherung – droht trotz der ganzen Schulden weiterhin. Korrekturen am Kader oder Trainerteam könnten weitere finanzielle Löcher reißen.
Daher müssen jetzt neue Wege eingeschlagen werden. Zukünftige Investitionen in die Mannschaft müssen sich durch Mehreinnahmen bei den Sponsoren, im DFB-Pokal und bei Transfereinnahmen selber decken – bei den Schulden ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
- Auch der Kölner Stadtanzeiger macht am 12.10. 2010 deutlich, dass zu den 24. Mio € eingeräumten Verbindlichkeiten noch der Verzicht auf eigentlich zu erwartende Einnahmen aus den Cateringrechten im Stadion für die nächsten 12 Jahre hinzukommt.
Nicht enthalten in den Verbindlichkeiten sind jene rund 7,5 Millionen Euro, mit denen sich der 1. FC Köln im Geschäftsjahr 2008 / 2009 einen Sonderertrag von 7,5 Millionen Euro verhalf. Damals gründete man eine Tochtergesellschaft, die „1. FC Köln Gaststätten GmbH“. Diese Tochter nahm ein Darlehen auf und kaufte ihrer Mutter für 7,5 Millionen Euro etwa das Recht ab, im Stadion Bier und Würstchen zu verkaufen. Dieses Darlehen zahlt die GmbH nun mit etwa 600 000 Euro pro Jahr bei der Bank ab - und hat im ersten Jahr ihres Bestehens dennoch einen Gewinn erwirtschaftet. Ein reiner Bilanztrick war das also nicht. Allerdings hat der 1. FC Köln damit durchaus zukünftige Einnahmen ausgegeben. Denn das Geld, das die Tochter nun zur Tilgung des Darlehens ausgibt, steht dem Verein zwölf Jahre lang nicht zur Verfügung.
Auch im Geschäftsjahr 2009 / 2010 haben die Kölner ihre Erträge gesteigert. Für insgesamt etwa drei Millionen Euro verkauften sie Transferrechte an ihren Top-Spielern Lukas Podolski und Pedro Geromel. Im Falle eines Verkaufs eines der beiden Spieler würde der FC also Teile der Transfersummen an Investoren abgeben. Allerdings legt Horstmann Wert darauf, dass der „bei weitem überwiegende Teil der Transferrechte“ beim 1. FC Köln liege. Rund 2,5 Millionen Euro nahm man zudem durch einen Handel mit der Vermarktungsfirma IMG ein - offenbar durch eine Vertragsverlängerung.
- Der Spiegel schreibt zur Lage des FC am 13.11.2010:
Diesen und einige andere Vorwürfe werden sich die Verantwortlichen bei der Jahreshauptversammlung anhören müssen, denn die jüngste Bilanz ist in fast jeder Hinsicht desaströs. Köln ist jetzt Tabellenletzter, die Transferrechte der wertvollsten Spieler wurden teilweise verramscht, und in dieser Woche hat der Club besorgniserregende Geschäftszahlen präsentiert.
Der Schuldenstand ist in der Ära Meier von rund acht auf 24,1 Millionen Euro angewachsen, außerdem hat der Manager weitere sieben Millionen ausgegeben, die der Club generierte, als er die Rechte am Gastronomiegeschäft im Stadion verkaufte. Mitgetragen wurde diese Politik von allen, allerdings haben Präsidium, Vorstand und Verwaltungsrat sich eine andere Entwicklung erhofft.
Auf dem Weg ins Mittelmaß kläglich gescheitert
Mittlerweile befürworten Teile des Verwaltungsrates die Absetzung des Managers, der für die langfristige sportliche Entwicklung der Mannschaft verantwortlich ist. Denn das Geld ist weg, und der Erfolg mager: Zwei mal hintereinander schaffte Köln den Klassenerhalt. Der Versuch, zeitnah in die obere Tabellenhälfte vorzudringen, ist hingegen kläglich gescheitert. Das liegt auch am Präsidium.
Angeblich mischt der Ehrenamtler Overath sich ins Transfergeschäft ein, weil er weiß, dass Meiers Stärken auf anderen Gebieten liegen. Einen wirklich kompetenten Sportdirektor wollte der Präsident bislang trotzdem nicht einstellen. Weil er keinen starken Mann an seiner Seite dulde, sagen manche. Weil niemand in diesem schlecht geführten Club arbeiten wolle, meinen andere.
- Der Kölner Stadtanzeiger zur Bilanz des Vorstandes am 14.11.2010:
Die Verantwortung des Präsidenten
Seit 2004 steht Wolfgang Overath dem 1. FC Köln als Präsident vor. Seine Bilanz liest sich so: Zwei Abstiege, sieben Trainer, 60 Spielertransfers und 20 Millionen Schulden. Die Ära Overath ist gescheitert.
Wenn es eng wird beim 1. FC Köln, dann verweist der Präsident gerne auf das große Ganze: der Klub habe inzwischen mehr als 50 000 Mitglieder; die Heimspiele seien zumeist ausverkauft; das Ansehen des Klubs in Stadt und Land sei gewaltig und das alles sei - so sagt er es nicht, aber er meint es - sein Verdienst.
Und wenn es eng wird beim 1. FC Köln, dann verweist der Präsident gerne auf die Verantwortungskette in seinem Klub: Da gebe es Leute für die Finanzen und da gebe es Leute für das operative sportliche Geschäft. Wenn es Probleme gebe, dann sei das also - so sagt er das nicht, aber er meint es - nicht seine Schuld.
Mit dieser feinen Dialektik ist Wolfgang Overath bislang stets durchgekommen, obwohl niemand außerhalb des Klubs an diese undurchlässige Grenze zwischen Gelingen und Scheitern im Verein glauben mochte. All das klang ja auch ganz anders, nachdem der Weltmeister von 1974 seinen Vorgänger Albert Caspers im Jahr 2004 aus dem Amt gedrängt hatte. „Es wird kein Spieler mehr gekauft oder verkauft, ohne dass ich mit am Tisch sitze. Das ist ein entscheidender Faktor“, hatte Overath im März 2004, noch vor seiner offiziellen Inthronisierung, erklärt. Und noch im Mai 2006 stellte er klar: „Ich bin der Präsident dieses Klubs. Ich bin grundsätzlich für alles zuständig.“
Somit ist der Präsident grundsätzlich zuständig für dies: Nach zwei Abstiegen, sieben Trainern, rund 60 Spielertransfers und über 20 Millionen Euro Schulden in der Ära Overath verliert der 1. FC Köln das große Derby gegen Gladbach mit 0:4, fällt in der Tabelle auf Platz 18 und tausende Zuschauer verlassen vorzeitig und schweigend das Stadion.
Mit diesem Zeugnis begibt sich das Präsidium am Mittwoch vor die FC-Mitgliederversammlung. Neuwahlen sind nicht vorgesehen. Ein Rücktritt aber ist laut Paragraf 20, Absatz 3 der Satzung ohne weiteres möglich: „Scheiden alle Mitglieder des Vorstands aus, so wird der Verein bis zur Neuwahl des Vorstands (...) durch den Vorsitzenden des Verwaltungsrats vertreten“, heißt es dort. Das wäre eine Option. Gibt es eine andere?
- Der Kicker am 14.11.2010:
Dass Overath sein Versprechen, keine Schulden zu machen, nicht gehalten hat, ist ihm nicht unbedingt vorzuwerfen. Ein gewisses Risiko musste der FC gehen. Doch dass er Meier so walten ließ und jetzt erkennen muss, dass weder ein Team noch größere Spielerwerte geschaffen wurden, liegt in seiner Verantwortung. Dass er weiter zaudert ebenso. Selbst Sponsoren wie ETL-Chef Franz-Josef Wernze oder Ex-Profi Dieter Prestin bezweifeln mittlerweile öffentlich, dass Meier der Richtige ist, um mit begrenzten Mitteln eher unbekannte, aber gute Spieler zu finden. Overath, der immer wieder ins Tagesgeschäft eingreift, dafür aber keine Verantwortung tragen will, erwarten unangenehme Fragen.
Viele Möglichkeiten, die Stimmung zu drehen, bleiben ihm nicht. Über Meier denkt er nach. Nach kicker-Informationen wurde dem Manager der Rücktritt inklusive Abfindung angeboten. Doch Meier lehnte ab. Stellt Overath diesem nun einen Sportdirektor zur Seite? Keine andere Maßnahme würden wirken. Ohne diese droht dem Idol am Mittwoch viel Gegenwind bis hin zu einer von einigen Mitgliedern angestrebten Nicht-Entlastung des Vorstandes. Und wie Overath auf solch einen Denkzettel reagieren würde, weiß nur er selbst.
- Die Welt am 14.11.2010:
Ein Offenbarungseid
Denn schon am Mittwoch wartet der nächste Sturm der Entrüstung auf die Verantwortlichen des Klubs. Bei der Jahreshauptversammlung auf dem Messegelände am Rheinpark werden knapp 2000 Mitglieder bohrende Fragen an Präsident Wolfgang Overath und seine Geschäftsführer haben. Fragen, wie die Zukunft des gestürzten Riesen 1. FC Köln aussehen soll. Aber welche Antworten können sie geben? Das Präsidium wirkt zunehmend ratlos, auch wenn es sich nach dem Abpfiff zur Krisensitzung in einer Loge verschanzte.
Wie also am Mittwoch die Mitglieder beruhigen? Oder besser noch ein Fanal für die Zukunft setzen? Möglichkeiten gäbe es, den Rücktritt von Präsident Overath zum Beispiel. Oder den Rauswurf von Manager Michael Meier. Oder die Präsentation eines neuen Trainers – immer wieder fällt in diesem Kontext der Name Huub Stevens, den Wolfgang Overath 2004 schon einmal in Krisenzeiten aus dem Hut zauberte. Vor der Partie beim VfB Stuttgart am kommenden Sonntag sind viele Szenarien denkbar, aber keines ist greifbar.
- Nochmal der Kölner Stadtanzeiger am 15.11.2010:
5. Präsident Overath
Nun ist Michael Meier Kölns großer Prügelknabe. Und beinahe scheint es, als wollten Overath und seine Crew tatsächlich auch diese Krise einfach aussitzen. Doch längst hat sich der Eindruck verfestigt, dass der Präsident Teil, wenn nicht Ursprung der Misere ist. Wolfgang Overath, Weltmeister von 1974 und einer der Kölner Stadtheiligen, hat sich einst mit dem Versprechen ins Amt begeben, die fußballerische Kompetenz in die Vereinsspitze zu tragen.
Doch was ihm einst ins Amt half, könnte ihm nun auf die Füße fallen. Denn in Köln hat die Suche nach Schuldigen begonnen. Und wer dabei Michael Meier nennt, der kommt an Wolfgang Overath kaum vorbei.
- Die Rheinische Post vom 16.11.2010:
Wolfgang Overath gerät unter Druck
Der Präsident steht vor der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln im Mittelpunkt der Kritik. Sein Versprechen eines sportlichen Aufschwungs konnte er in sechseinhalb Jahren nicht einlösen. Das Gegenteil ist der Fall.
Spieler mit wohlklingenden Namen hat der 1. FC Köln in den vergangenen sechseinhalb Jahren auf den Platz geschickt: Sie hießen Attila Tököli oder Aparecido Evanilson, Baykal Kulaksizoglu oder – an diesem Samstag – José-Pierre Vunguidica. 60 an der Zahl waren es.
Nachhaltig Eindruck machten die wenigsten. Schillernde Trainerpersönlichkeiten wie Uwe Rapolder oder Hanspeter Latour oder Christoph Daum kamen, und sie gingen. Wolfgang Overath blieb. Und mit ihm – die meiste Zeit jedenfalls – der Misserfolg. Abstieg, Aufstieg, Abstieg, Aufstieg.
Sechseinhalb Jahre nach dem Amtsantritt des Präsidenten Wolfgang Overath ist nichts zu sehen von den blühenden Fußball-Landschaften, die der energiegeladene Weltmeister versprochen hatte. Die Champions League ist emotional weiter entfernt als die Landeshauptstadt. Bald also wieder nach Paderborn oder Aue statt nach Mailand oder Madrid?
Für all das trägt Overath, 67, die Verantwortung. Denn so hat er es ja gewollt, als er 2004 beherzt nach der Macht griff und Ford-Manager Albert Caspers aus dem Amt drängte. "Ich bin der Überzeugung, dass der Posten des Präsidenten nach wie vor der wichtigste im Verein ist", sagte er damals, nachdem er mit Rechtsgelehrten die Satzung des FC studiert hatte. Sportliche Kompetenz wollte er zusammen mit Jürgen Glowacz, seinem "Vize", einbringen.
Overath, 67, steht jetzt im Kreuzfeuer der Kritik. "Längst hat sich der Eindruck verfestigt, dass der Präsident Teil, wenn nicht Ursprung der Misere ist", schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger gestern. Jeden Transfer, so versprach es Overath ja bei Amtsantritt, verantwortet der Chef höchstpersönlich mit.
Mit der Hypothek von 24 Millionen Euro Schulden, dem letzten Tabellenplatz und der deprimierenden Derby-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach (0:4) zieht Overath morgen um 19 Uhr in die Hauptversammlung des Vereins. Neuwahlen sieht die Tagesordnung nicht vor, aber eine offene Rebellion gegen den Präsidenten steht zu befürchten.
Es mehren sich die Spekulationen. Tritt Overath zurück, wie vor ihm Caspers, der "weiteren Schaden vom Verein abwenden" wollte? Oder stellt er Manager Michael Meier einen Kompagnon wie den ehemaligen Hoffenheimer Jan Schindelmeiser zur Seite? Oder zieht er einen neuen Trainer aus dem Hut? So wie 2004, als er am Abend seiner Wahl Huub Stevens als Nachfolger für Marcel Koller präsentierte.
Spekulationen um Stevens (und um den ewigen Feuerwehrmann Hans Meyer) gibt es erneut, weil der Niederländer in Salzburg keinen Erfolg hat. Vorerst aber hält der FC an Frank Schaefer fest. Dass solche Treueschwüre aber eine geringe Halbwertzeit haben, musste dessen Vorgänger Zvonimir Soldo erfahren. Vom hochoffiziellen Bekenntnis des Vorstands zum Trainer bis zu dessen Entlassung dauerte es zweieinhalb Tage.
Bei Overath kann es schnell gehen.
Was am 17. November 2011 und in den Wochen danach passierte, dürfte noch jedem in Erinnerung geblieben sein. I-Tüpfelchen des Abends des 17.11.2011 war sicher, neben dem arroganten Auftreten und der offenbarten Konzeptlosigkeit, ein erneutes Nichtbekenntnis zu Trainer Schaefer auf konkrete Nachfrage eines Mitgliedes. Das, was die Mitglieder schon damals ahnten, wurde im Laufe der Saison dann trotz aller Dementis offenkundig: Man hielt Frank Schaefer nie für den richtigen Mann. Als Volker Finke dann diesen Eindruck ebenfalls bestätigte, hatte Frank Schaefer keine Chance mehr, das Amt nach seinen Vorstellungen ausfüllen zu können. Spieler, die Schaefer dem Mannschaftserfolg untergeordnet hatte, durften sich bei Finke ausweinen, Finke selbst stellte Schaefers Eignung für den Job intern in Frage, indem er am Ende auch noch einen sehr intimen Teil seines Privatlebens – nämlich seinen christlichen Glauben – vorsätzlich öffentlich problematisierte. Resultat war, dass Frank Schaefer mangels Rückhalt im Verein den Hut nahm.
Damit wurde viel Perspektive zerstört, denn Schaefer stand dafür, aus den vorhandenen Ressourcen, die Verein und Mannschaft boten, das Optimale zu machen. Ob Finke dies nun mit einem neuen Trainer ebenfalls erreichen kann, wird abzuwarten sein. Es wurde jedoch vom Vorstand ohne Not von Anfang an die Chance klein gehalten und am Ende sogar vertan, mit Frank Schaefer einen neuen gestandenen Bundesligatrainer hervorzubringen. Er wurde kleingehalten und am Ende ein Opfer einer gescheiterten Personalpolitik der letzten 7 Jahre.
Dieser Vorstand hat abgewirtschaftet. Das Verhältnis von wirtschaftlichem Aufwand und sportlichem Ertrag stimmte von Anbeginn der Präsidentschaft nicht und mündet nunmehr in einer desaströsen finanziellen Situation, die die sportliche Entwicklung des FC zu lähmen droht. Mit Frank Schaefer hat man den erfolgreichsten Trainer seit Jahrzehnten vergrault und damit auch dem gerade erst zusammenwachsenden Duo Podolski/Novakovic eine wichtige Grundlage entzogen.
Der Vorstand hat es außerdem billigend in Kauf genommen, dass sich die Fangemeinde des Vereins, das größte Kapital, das der 1.FC Köln hat, in mehrere Lager gespalten hat. Im Frühjahr 2010 wurde das vereinseigene Forum des Vereins, das die größte und aktivste Internet-Community der Fußball-Bundesliga beheimatete, von einem Tag auf den anderen geschlossen und ein wichtiges Organ der Meinungsbildung im Verein zerschlagen. Auch hier hat der Vorstand seine Ignoranz und seine Ferne zur Modernität offenbart. Den (auch monetären) Wert, den eine solche Community hat, hat der Vorstand vollkommen unterschätzt. Auch in diesem Fall hat der Vorstand, der die Schließung des Forums persönlich veranlasst hatte, eigene persönliche Interessen den Vereinsinteressen vorangestellt.
Auch in der Diskussion um Frank Schaefer wurde durch die fehlende Aufklärung der Umstände des Rücktrittes des Trainers die Fangemeinde und Mitgliederschaft in zwei Lager geteilt. Die mangelnde Transparenz, die in der Amtszeit Wolfgang Overaths Programm ist, führt auch hier dazu, dass die Mitglieder sich kein genaues Bild über die Vorgänge beim 1.FC Köln machen können.
Fakt ist, dass Wolfgang Overath die Ziele, mit denen er angetreten ist und die er lauthals proklamiert hat, nicht einmal ansatzweise erreicht hat. Der Verein ist dem Abstieg dieses Jahr wieder einmal nur knapp entgangen. Sportlich haben wir also bestenfalls auf der Stelle getreten.
Finanziell sind wir wieder ordentlich verschuldet, ohne dass diese Schulden uns sportlich vorangebracht haben, und können neue Spieler nur unter Einsatz privater Investoren verpflichten.
Gleichzeitig hat Wolfgang Overath es geschafft, im Verein und unter den Mitgliedern und Fans ein vergiftetes Klima zu schaffen, weil ihm jede Fähigkeit zur Integration fehlt. Mit Kritik kann er nach wie vor nicht umgehen. Als Repräsentant des Vereins gibt er ein bestenfalls trauriges Bild ab. Viele Sponsoren schütteln nur noch den Kopf über sein Auftreten.
Sein rücksichtsloser Abgang während der MV im November 2011, mit dem er den gesamten Verein - gerade auch die, die ihn immer noch gestützt haben - einfach im Stich ließ, war dann der unrühmliche Schlusspunkt einer Ära, die uns keinen Schritt nach vorne gebracht hat. Obwohl er den Verein in einem desolaten Zustand zurückgelassen hat, wünschen wir ihm für seine weiteren Aufgaben im Leben mehr Erfolg als beim FC.
Damit wurde viel Perspektive zerstört, denn Schaefer stand dafür, aus den vorhandenen Ressourcen, die Verein und Mannschaft boten, das Optimale zu machen. Ob Finke dies nun mit einem neuen Trainer ebenfalls erreichen kann, wird abzuwarten sein. Es wurde jedoch vom Vorstand ohne Not von Anfang an die Chance klein gehalten und am Ende sogar vertan, mit Frank Schaefer einen neuen gestandenen Bundesligatrainer hervorzubringen. Er wurde kleingehalten und am Ende ein Opfer einer gescheiterten Personalpolitik der letzten 7 Jahre.
Dieser Vorstand hat abgewirtschaftet. Das Verhältnis von wirtschaftlichem Aufwand und sportlichem Ertrag stimmte von Anbeginn der Präsidentschaft nicht und mündet nunmehr in einer desaströsen finanziellen Situation, die die sportliche Entwicklung des FC zu lähmen droht. Mit Frank Schaefer hat man den erfolgreichsten Trainer seit Jahrzehnten vergrault und damit auch dem gerade erst zusammenwachsenden Duo Podolski/Novakovic eine wichtige Grundlage entzogen.
Der Vorstand hat es außerdem billigend in Kauf genommen, dass sich die Fangemeinde des Vereins, das größte Kapital, das der 1.FC Köln hat, in mehrere Lager gespalten hat. Im Frühjahr 2010 wurde das vereinseigene Forum des Vereins, das die größte und aktivste Internet-Community der Fußball-Bundesliga beheimatete, von einem Tag auf den anderen geschlossen und ein wichtiges Organ der Meinungsbildung im Verein zerschlagen. Auch hier hat der Vorstand seine Ignoranz und seine Ferne zur Modernität offenbart. Den (auch monetären) Wert, den eine solche Community hat, hat der Vorstand vollkommen unterschätzt. Auch in diesem Fall hat der Vorstand, der die Schließung des Forums persönlich veranlasst hatte, eigene persönliche Interessen den Vereinsinteressen vorangestellt.
Auch in der Diskussion um Frank Schaefer wurde durch die fehlende Aufklärung der Umstände des Rücktrittes des Trainers die Fangemeinde und Mitgliederschaft in zwei Lager geteilt. Die mangelnde Transparenz, die in der Amtszeit Wolfgang Overaths Programm ist, führt auch hier dazu, dass die Mitglieder sich kein genaues Bild über die Vorgänge beim 1.FC Köln machen können.
Fakt ist, dass Wolfgang Overath die Ziele, mit denen er angetreten ist und die er lauthals proklamiert hat, nicht einmal ansatzweise erreicht hat. Der Verein ist dem Abstieg dieses Jahr wieder einmal nur knapp entgangen. Sportlich haben wir also bestenfalls auf der Stelle getreten.
Finanziell sind wir wieder ordentlich verschuldet, ohne dass diese Schulden uns sportlich vorangebracht haben, und können neue Spieler nur unter Einsatz privater Investoren verpflichten.
Gleichzeitig hat Wolfgang Overath es geschafft, im Verein und unter den Mitgliedern und Fans ein vergiftetes Klima zu schaffen, weil ihm jede Fähigkeit zur Integration fehlt. Mit Kritik kann er nach wie vor nicht umgehen. Als Repräsentant des Vereins gibt er ein bestenfalls trauriges Bild ab. Viele Sponsoren schütteln nur noch den Kopf über sein Auftreten.
Sein rücksichtsloser Abgang während der MV im November 2011, mit dem er den gesamten Verein - gerade auch die, die ihn immer noch gestützt haben - einfach im Stich ließ, war dann der unrühmliche Schlusspunkt einer Ära, die uns keinen Schritt nach vorne gebracht hat. Obwohl er den Verein in einem desolaten Zustand zurückgelassen hat, wünschen wir ihm für seine weiteren Aufgaben im Leben mehr Erfolg als beim FC.
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