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Die Kandidatur Thielen – mindestens acht Jahre zu spät

27.03.2012
Obwohl die Arbeit des alten Präsidiums der Gründungsanlass für unsere Initiative zur Durchsetzung einer Satzungsänderung war, die wir nach wie vor anstreben und für erforderlich halten, haben wir uns mit Kommentaren zur Auswahl des neuen Präsidiums bisher absichtlich zurückgehalten, weil unser Kernthema immer die Satzungsänderung und nicht die Personalpolitik war.

Unser Credo lautet nach wie vor, dass eine gute Satzung notfalls auch schlechtes Führungspersonal aushält und im Zweifel dabei hilft, sich von schlechtem Führungspersonal vernünftig trennen zu können. Eine gute Satzung sowie klare Verantwortlichkeiten im Verein und in der Profi-KG werden zudem mit höherer Wahrscheinlichkeit gutes Personal zu unserem Verein ziehen.

Angesichts der vielfältigen und zum Teil abenteuerlichen Äußerungen und Spekulationen zum Thema Präsidium – insbesondere in der Lokalpresse - in den letzten Tagen und Stunden halten wir es jetzt jedoch für richtig, Stellung zu nehmen.

Wir sind als Initiative von Anfang an dafür eingetreten, dass an der Spitze des Vereins nicht notwendig immer ein ehemaliger Fußballer stehen sollte, weil ehemaligen Fußballern nur im Ausnahmefall das Handwerkszeug zur Führung eines Vereins zur Verfügung steht. Dass mit Bayern München der erfolgreichste deutsche Verein von Ex-Fußballern geführt wird, ist eine Ausnahme von der Regel, dass dies nicht gut geht. In unserem Verein ist es nicht gut gegangen. Die letzten Ex-Fußballer im Vorstand sind gerade erst gegangen. Wir haben von Ex-Fußballern an der Vereinsspitze erst einmal mehr als genug!

Aus unserer Sicht hat der Verwaltungsrat bzw. die sog. Findungskommission im Verwaltungsrat unter Führung von Herrn Dr. Wolf bei dem Auswahlverfahren für einen neuen Vorstand sehr professionell agiert.

Erstens ist es gelungen, bis kurz vor Schluss geheim zu halten, mit wem man spricht. Das ist ein Erfolg, wenn man bedenkt, dass früher alle Interna immer sofort an die Presse gelangt sind. Dass der Kölner Presse dieser professionelle Zustand nicht gefällt, ist verständlich, weil es aus Journalistensicht schöner und auch einfacher ist, wenn man permanent alle Interna brühwarm zugesteckt bekommt.

Die z.T. geäußerte Kritik, dass das Auswahlverfahren intransparent sei, geht fehl. Wenn man nicht jeden Kandidaten in der Öffentlichkeit zerredet haben möchte, bevor man selbst mit ihm gesprochen hat, muss man einfach dicht halten. Der Verwaltungsrat agiert absolut auf dem Boden der Satzung, wenn er diese Personalfragen intern diskutiert, bevor er dann einen Vorschlag macht, den er den Mitgliedern zur Wahl vorlegt.

Zweitens ist es richtig, mit einer Liste von Kriterien zu arbeiten, die Vorstandskandidaten erfüllen sollten, anstatt eine Suche aus der hohlen Hand zu betreiben nach dem Motto „Willste dat maache“. Eine vernünftige Personalauswahl setzt voraus, dass man ein Anforderungsprofil erstellt, um zu wissen, wonach man sucht.

Daher haben wir gegen die momentan bekannten beiden Kandidaten, ohne sie persönlich näher zu kennen, keine Einwände vorzubringen, weil ihre bisherigen Tätigkeiten Anlass zu der Vermutung geben, dass sie die notwendige Führungserfahrung und –qualität mitbringen. In Kenntnis der Aufgabe, einen neuen Vorstand zu finden, wurde der Verwaltungsrat gewählt und hat er sich diese Findungskommission gesucht. Wir vertrauen hier dem Urteil der vom Verwaltungsrat gebildeten Findungskommission.

Dass auch im Verwaltungsrat mittlerweile die Absicht besteht, die Macht des zukünftigen Vorstands zu begrenzen, freut uns und bestätigt uns in unserer Arbeit, weil wir genau das von Anfang an gefordert haben und dieses Thema erst durch unsere Arbeit auf die Agenda gesetzt worden ist.

Dass in der Presse von Anfang an mögliche Namen mit mehr oder weniger Phantasie ins Spiel gebracht wurden, hat bislang weder überrascht, noch ernsthaft gestört.

Soweit der im Grundsatz erfreuliche Stand, wie er sich bis vor wenigen Tagen bzw. Stunden als Ergebnis seriöser Verwaltungsratsarbeit darstellte.

Das war offenbar einigen zu seriös. Der Name Karl-Heinz Thielen als Präsident ist seit November 2011 immer wieder von der Presse ins Spiel gebracht worden, ohne dass er selbst sich öffentlich erklärt hatte. Heute hat er sein Interesse, Präsident zu werden, mit (laut KStA) folgenden Worten kundgetan:

„Ich gebe dies frühzeitig bekannt, denn ich möchte eine Schlammschlacht auf Kosten des Klubs vermeiden.“

Diese Wortwahl ist natürlich ein starkes Stück. Denn tatsächlich ist die Bekanntgabe alles andere als frühzeitig und wird jetzt genau die Schlammschlacht auslösen, die er angeblich vermeiden möchte. Herr Thielen hat sich schon seit Monaten immer wieder über Dritte ins Gespräch bringen lassen, ohne sich einmal deutlich selbst zu erklären. Jetzt erklärt er sich einen Tag vor der formalen Entscheidung im Verwaltungsrat, obwohl er zumindest durch Herrn Wernze sehr genau informiert sein dürfte, dass der Verwaltungsrat seit Monaten Kandidaten gecastet und mittlerweile auch gefunden hat. Die Erklärung zum jetzigen Zeitpunkt kommt also viel zu spät und wird leider nur dazu dienen, die gerade gefundene Ruhe in der Vereinsarbeit zu zerstören.

Denn laut Satzung macht der Verwaltungsrat den Mitgliedern einen Vorschlag für den Vorstand. Jetzt kommt es womöglich im Verwaltungsrat zu einer Kampfabstimmung, weil ja zumindest ein Herr Wernze – geradezu verzweifelt – an die Macht in unserem Verein möchte.
Noch aufwühlender für den Verein wäre die inzwischen in der Presse diskutierte Möglichkeit, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. April den Mitgliedern zwei verschiedene Vorstandsteams zur Kampfabstimmung vorzuschlagen. Das sieht zwar auf den ersten Blick demokratisch aus, würde aber zum Gegenteil dessen führen, was dieser Verein braucht: Nämlich einen Vorstand, der sich mit dem Rückhalt möglichst aller Mitglieder an die Befriedung und Sanierung des Vereins begeben kann. Den Versuch des Teams Thielen, die Tätigkeit der Findungskommission des Verwaltungsrats in diesem Stadium ad absurdum zu führen, betrachten wir als Brandstiftung. So wird deutlich, dass es dem selbsternannten Kandidaten-Trio in erster Linie um sich selbst geht und nicht um den Verein.

Doch nicht nur die Bekanntgabe dieser Kandidatur ist völlig verspätet, auch die einzelnen Kandidaten würden wir uns selbst dann nicht im Vorstand des 1. FC Köln wünschen, wenn sie das Bewerbungsverfahren rechtzeitig betrieben hätten. Im Einzelnen:

Karl-Heinz Thielen

Herr Thielen mag eine integre Persönlichkeit sein und hat insbesondere von den Siebzigern bis Anfang der Neunziger Jahre viele Erfahrungen als Vereinsmanager gesammelt. Wir glauben allerdings nicht, dass er in der jetzigen Lage der richtige Präsident wäre. Bei ihm handelt es sich wieder um einen ehemaligen Spieler, der zudem seit langer Zeit als Spielervermittler und Präsident der „Deutsche Fußball-Spieler Vermittler Vereinigung“ tätig ist. Zudem ist bekannt, dass er den Präsidentenjob im Verein vorzugsweise bezahlt machen möchte. Außerdem pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass Herr Thielen und mindestens Herr Wernze Herrn Horstmann sehr kritisch gegenüberstehen. Es kristallisiert sich heraus, was Herrn Thielens Plan sein könnte: Nach einer etwaigen Wahl zum Vorstand soll einerseits die Satzung im Sinne eines bezahlten Präsidenten geändert, andererseits Herr Horstmann ersetzt werden. Im Ergebnis würde dann Herr Thielen Herrn Horstmann durch sich selbst ersetzen.
Genau das wollen wir nicht. Wir wollen nicht, dass die Zukunft des 1. FC Köln so aussieht, dass sich der operative Einfluss wieder im Vereinsvorstand konzentriert, möglicherweise noch auf Kosten des Vereins und in einem Präsidenten, der das Rentenalter weit überschritten hat.

Wir würden uns freuen, wenn Herr Thielen dem Verein zukünftig beratend zur Seite steht. Aber in einer Führungsposition im Verein möchten wir jüngere Personen mit anderen Qualifikationen, anderen Erfahrungen und anderem Background sehen.

Wir möchten auch noch einmal daran erinnern, dass bei der derzeitigen Struktur mit Verein und Profi-KG eine deutliche Trennung zwischen den verschiedenen Verantwortlichkeiten wichtig ist. Es ist nicht notwendig, dass der Vereinspräsident „Fussballstallgeruch“ hat. Der Vorstand des Vereins muss führen können und dazu vor allem Personalführungs- und im Hinblick auf die KG Kontrollkenntnisse besitzen.
Die sportliche Kompetenz ist in der KG, dort insbesondere beim Sportdirektor, anzusiedeln. Dort wird sie tatsächlich gebraucht, weil die aktuelle Lage wegen der Versäumnisse in der Vergangenheit wieder einmal prekär ist.

Wir benötigen jetzt endlich einmal einen klaren Schnitt in der Vereinspolitik. Die Gruppe derer, die hier schon immer mitgemischt und mitgeklüngelt haben und die uns diesen ganzen Salat (s. die aktuelle sportliche Lage als Resultat des letzten Vorstandes) eingebrockt haben, muss ein für allemal außen vor bleiben, zumindest was die Führungsposten betrifft.

Bernd Steegmann

Herr Steegmann war auch schon einmal Vizepräsident in einer sportlich ebenfalls wenig erfolgreichen Zeit. Immerhin hat das Präsidium um Albert Caspers damals den Verein wirtschaftlich konsolidiert. Den konkreten Beitrag Herrn Steegmanns dazu können wir nicht ohne weiteres beurteilen. Welche Kompetenz Herr Steegmann im Team Thielen übernehmen soll, ist unklar. Die Jugendarbeit, für die er bei vergangenheitsbezogener Betrachtung möglicherweise in Frage kommt, ist einer der wenigen Punkte, die zur Zeit beim 1. FC Köln zu funktionieren scheinen. Wir brauchen gerade niemanden, der beim FC die Jugendarbeit neu erfindet. Der Umstand allein, als erklärter Overath-Gegner zu dessen Opfer geworden zu sein, reicht als Qualifikation für das Amt des Vizepräsidenten nicht.

Franz-Josef Wernze

Wir haben schon vor der letzten Mitgliederversammlung deutlich gesagt, was wir von Herrn Wernze und seinem vermeintlichen Gönnertum halten (hier nachlesen). Er ist kein Gönner sondern ein knallharter Investor, der die Vereine wechselt wie andere die Unterhemden. Wir waren schon unglücklich darüber, dass er in den Verwaltungsrat gewählt wurde.

Wir wollen Herrn Wernze nicht im Vorstand unseres Vereins sehen. Hier würde der Bock vollends zum Gärtner gemacht. Da sich Herr Thielen (in jüngerer Zeit zusehends) und Herr Steegmann (zugegebenermaßen schon immer) als Gegner von Herrn Overath darstellen, verwundert es doch sehr, dass sie sich mit jemandem wie Herrn Wernze einlassen, der schon unter Herrn Overath seinen Einfluss viel zu weit ausgedehnt hat. Diese Personalie ist für uns inakzeptabel. Der 1. FC Köln lässt sich nicht kaufen!

Auch die aktuell prekäre sportliche Lage wird uns und sollte auch allen anderen Mitgliedern die Sinne nicht vernebeln. Ein wirklicher Neuanfang muss unternommen werden. Das Team Thielen steht leider nicht dafür.

FC:Reloaded
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